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Wichtige Hinweise zur Behandlung eines Kollodiumbabys

Bei verschiedenen Formen der Ichthyose kann es vorkommen, dass ein Kind mit einer „Kollodiummembran" geboren wird. Das ist eine harte, geschlossene Hautschicht, die schnell einreißt, aufbricht und sich ablöst. Darunter ist sehr, sehr dünne, gerötete Haut, die später extrem trocken und schuppig ist.

Folgendes sollte beachtet werden:



1. Extrem hohe Infektionsgefahr:

Durch das Aufreißen der Kollodiummembran können offene Stellen entstehen.
Außerdem ist die darunter liegende Haut sehr dünn. Es besteht eine deutlich erhöhte Gefahr, dass Bakterien die Haut infizieren oder gar in die Blutbahn des Kindes gelangen und eine Infektion verursachen. Zur Vorbeugung ist eine besondere Desinfektion aller Gegenstände in der Umgebung des Kindes notwendig, und auch das Kind selbst sollte vorbeugend desinfizierend behandelt werden, z. Bsp. mit Lavasept oder Prontosan Lösung. Das gilt insbesondere für die Hände des Kindes und die Körperstellen, an denen Haut auf Haut liegt, z. Bsp. in der Leiste und am Hals. Die Kleidung des Kindes sollte mindestens täglich gewechselt werden. Gelb belegte und damit wahrscheinlich bereits infizierte wunde Stellen können mit antibiotischen Mittel wie Fucidine Creme oder Gaze behandelt werden.



2. Inkubator:

Die Kollodiumhaut des Neugeborenen ist nicht nur gegenüber Bakterien anfällig, sie führt auch zu einem erhöhten Wasserverlust (Verdunstung) und eine gestörte Wärmeregulation des Babys. Daher müssen die Neugeborenen meist für einige Tage oder Wochen mit einem Inkubator vor Austrocknung und Wärmeverlust geschützt werden. Die Temperatur darf aber auf gar keinen Fall zu hoch sein, da die meisten Kinder mit Ichthyose nicht schwitzen können. Ist es zu heiß, kann ein lebensbedrohlicher Hitzestau entstehen!!! Die Einstellung des Inkubators erfolgt i. d. R. durch die Kinderklinik. (Die allgemeine Einstellung eines Inkubators liegt bei ca. 35°C mit einer Luftfeuchtigkeit von 80-90%).
Problem: Das feucht-warme Klima fördert die Vermehrung von Keimen.
Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für das Kind!!!



3. Hautpflege:

Wichtig ist vor allem das Feucht- und Fetthalten der Haut. Hier ist anfangs ebenfalls der Inkubator sehr hilfreich! Zusätzlich sollte mit einer Salbe oder Creme gepflegt werden, die zunächst keine Wirkstoffe, wie Harnstoff (= Urea pura) oder womöglich Salizylsäure (= Acid. salicylicum) enthält. Salizylsäure ist besonders gefährlich, weil es durch die Haut in die Blutbahn aufgenommen wird und dann wie eine Überdosis von Aspirintabletten wirken kann (Vergiftungsgefahr!!!). Harnstoff wirkt noch zu reizend auf die dünne Haut und kann ebenfalls vermehrt vom Körper aufgenommen werden, was nicht erwünscht ist.
Man kann z.B. Linola Fett, Asche Basis Creme oder Salbe, Abitima Creme, Eucerin anhydricum verwenden. Für Augenlider und Lippen ist Bepanthen Augen- und Nasensalbe sehr gut. Das Kind kann auch gebadet und dabei mit einem weichen Lappen vorsichtig gewaschen werden (reinigt und reduziert die Schuppung!). Ölhaltige Badezusätze bieten in diesem Moment keinen Vorteil. Jedoch muss unmittelbar nach dem Baden die Haut mit Salben nachgefettet werden, damit die aufgenommene Feuchtigkeit in der Haut verbleibt. Auf diese Art und Weise kann das Kind täglich gebadet werden!!!
Wenn sich die Kollodiumhaut ablöst, dann nicht abreißen, sondern vorsichtig abschneiden. Bitte auch bei der Kopfhaut Vorsicht walten lassen, um die Haarwurzeln nicht zu beschädigen.



4. Augenpflege:

Die Augen können evtl. durch die starke Hautspannung nicht geschlossen werden. Deshalb müssen sie immer feucht gehalten werden, da sonst irreversible Hornhautnarben entstehen!!
Dazu sollte tagsüber halbstündlich Corneregel (durchsichtig) verwendet werden, nachts Bepanthen Augen- und Nasensalbe (zweistündlich).




Diese Hinweise stammen von Prof. Dr. W. Küster, ehemaliger medizinischer Beirat des Selbsthilfe Ichthyose e.V. Er war Spezialist auf dem Gebiet der Ichthyosen. Prof. Traupe und Dr. Oji haben sie noch einmal kontrolliert und ergänzt.


Für weitere Fragen wenden Sie sich an:


Prof. Dr. med. Heiko Traupe
Dr. Vinzenz Oji
Bundesgeschäftsstelle Selbsthilfe Ichthyose